Nachbericht Vorsorgevollmacht & Patientenverfügung

RNZ v. 26.02.2018

Selbstbestimmung im Notfall

Reges Interesse am Vortrag über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung bei den „Wollenbachmusen“

Helmstadt-Bargen. (bju) Es riecht nach Krankheit und Tod und lässt im Kopf bürokratische Monster lebendig werden. Die Rede ist von der Vorsorgevollmacht und der Betreuungs- und Patientenverfügung. Wie wichtig diese sein können, wenn sie rechtzeitig ausgestellt werden, präsentierte Juristin Susanne Meny vom Betreuungsverein des Allgemeinen Rettungsverbands Rhein-Neckar im katholischen Pfarrheim in Bargen. Der Betreuungsverein organisiert hauptamtliche Betreuungen, bietet Informationen für die Öffentlichkeit, bildet ehrenamtliche Betreuer aus und berät diese. Eingeladen hatten die „Wollenbachmusen“, und der erste Vorsitzende Harald Kunze freute sich über das große Interesse. „Jeden kann es treffen, jederzeit“, so Meny zu Beginn. Sie räumte mit dem Vorurteil auf, dass nur betagte Menschen diese Formulare kennen sollten. „Durch diese wird es jedem erlaubt, sein Leben auch dann noch nach seinen Vorstellungen und in Würde gestalten zu können, wenn er durch Krankheit oder Unfall dazu nicht mehr in der Lage ist.“ Die eigene Geschäftsfähigkeit und mehr als hundertprozentiges Vertrauen in die Person, die man mit einer Vorsorgevollmacht ausstattet, seien die wichtigsten Voraussetzungen. Wie eine solche Vollmacht formuliert und beglaubigt werden kann, welche Form nötig ist und wer als Vollmachtnehmer in Betracht kommt, wurde anhand von Beispielen erläutert. „Eine Vorsorgevollmacht kann von der Gesundheitsvorsorge und Pflegebedürftigkeit über Aufenthalt, Postvollmacht und Wohnungsangelegenheiten bis hin zur Vermögensvorsorge alles Regeln, muss sie aber nicht.“ Es ergebe Sinn, die ausgestellte Vorsorgevollmacht immer wieder zu überprüfen. Mit einer sogenannten Betreuungsverfügung könne jeder im Voraus festlegen, wen das Gericht als Betreuer bestellen soll und wen nicht. Wünsche und Gewohnheiten können schriftlich fixiert werden. „Die Patientenverfügung regelt die medizinische Behandlung bei schwerer Krankheit und Unfall, wenn der Patient dies nicht mehr selbstbestimmt entscheiden kann“ informierte Meny über die vielleicht bekannteste Verfügung, bei der man „einwilligungsfähig“ sein müsse und zu der sie ein ausführliches Gespräch mit dem Hausarzt empfiehlt. Die Maßnahmen sollten so konkret wie möglich benannt werden, damit die Angehörigen im Bedarfsfall von notwendigen Entscheidungen entbunden sind. Anhand von Beispielen zeigte die Referentin auf, welche Folgen das Fehlen dieser Vollmachten haben kann. Nicht nur eine Kombination aus Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht sei empfehlenswert, sondern vor allem die Meldung der Dokumente beim zentralen Vorsorgeregister (ZVR). „Niemand hat im Alltag seine Dokumente für die rechtliche Vorsorge dabei. Beim ZVR sind die Daten dann immer für das Betreuungsgericht, eine spezielle Abteilung des Amtsgerichts, abrufbar.“ Viele Mustervorlagen finden sich laut Meny im Internet.     

 

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